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Der Wirtssee

Ein wertvolles Naturdenkmal in Grinzens

Naturdenkmal Wirtssee
Naturdenkmal Wirtssee

Das Feuchtgebiet „Wirtssee“ befindet sich in einer Geländesenke ca. 300 m nordwestlich der Grinzner Kirche und ist über einen öffentlichen Feldweg ab Brossels Kreuz erreichbar. Das Biotop weist eine Fläche von ca. 1550 m2 auf und ist von Wirtschaftswiesen umgeben. Der „Wirtssee“ steht unter dem Schutz des Tiroler Naturschutzgesetzes und ist als Naturdenkmal ausgewiesen.

Naturdenkmäler [1] sind Naturgebilde, deren Erhaltung wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit, wegen ihrer wissenschaftlichen, geschichtlichen oder kulturellen Bedeutung oder wegen des besonderen Gepräges, das sie dem Landschaftsbild verleihen, von öffentlichem Interesse ist (Tiroler Naturschutzgesetz 1997). Es handelt sich meist um Einzelerscheinungen wie alte oder seltene Bäume, Baum- oder Gehölzgruppen, besondere Pflanzenvorkommen, Quellen, Wasserläufe, Wasserfälle, Tümpel, Seen, Moore, Felsbildungen, Gletscherspuren, Mineralien- oder Fossilvorkommen, erdgeschichtliche Aufschlüsse und charakteristische Bodenformen, Schluchten und Klammen. Naturdenkmäler werden per Bescheid der Bezirksverwaltungsbehörde unter Schutz gestellt.

Naturdenkmal Wirtssee
Naturdenkmal Wirtssee

Der „Wirtssee“ ist in der letzten Eiszeit vor über 10.000 Jahren als sogenanntes Toteisloch geformt worden. Toteis (d.h. vom Gletscher abgetrenntes, bewegungslos gewordenes Eis) wurde häufig zunächst übersandet und verursachte beim späteren Abschmelzen des Eises abflußlose Hohlformen im Gelände, in denen sich Seen und Moore bilden konnten. Chroniken berichten über frühere Torfstiche im Bereich „Wirtssee“.

Günter Krewedl beschreibt in seiner Dissertation[2] über bedrohte Lebensräume in Tirol für den „Wirtssee“ eine hohe Artenvielfalt (über 70 verschiedene Pflanzenarten), die auch geschützte und gefährdete Arten umfasst. Ein Bruchwald mit Grauerle, Grauweide, Zitterpappel, Hängebirke und Traubenkirsche wird von wertvollen Sträuchern und Hochstauden begleitet: Pfaffenhütchen, Faulbaum, Schneeball, Hagebutte, rote Heckenkirsche, Hopfen, akeleiblättrige Wiesenraute, Gilbweidereich, Trollblume und andere bieten Artenvielfalt auf kleinstem Raum. Dies gibt vielen Tieren einen geradezu optimalen Lebensraum. So kommen dort beispielsweise Ringelnatter, Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch, Großlibelle, Zaunkönig und Rotkehlchen vor, wobei der „Wirtssee“ auch eine wichtige Funktion als Rastplatz für seltene Vogelarten hat.

Nach Krewedel "liefert die Natur der Gemeinde Grinzens mit dem „Wirtssee“ ein eiszeitliches Naturdenkmal frei Haus", welches für weitere Generationen erhalten und vor störenden oder gar zerstörenden Eingriffen geschützt werden müsse.

Daten- und Informationsquellen:
[1] Schatz, Heinz & Schatz, Irene (1999): Von Bäumen, Quellen und WasserfällenNaturdenkmäler in Tirol, 165 Seiten. Herausgeber: Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz.
Interaktive Karte der Naturdenkmäler in Tirol [tiris]
[2] Krewedl, Günter (1992): Die Vegetation von Naßstandorten im Inntal zwischen Telfs und Wörgl – Grundlagen für den Schutz bedrohter Lebensräume. Berichte des Naturwissenschaftlich-Medizinischen Vereins in Innsbruck, Supplementum 9, 464 Seiten. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck.

Autor

, Gewässerökologe an der Universität Innsbruck, Senderswind Nr.5, August 2005, S.14.

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