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Fragen an Bürgermeister und Gemeinderats-Fraktionen

Bürgerinitiative „Lebensraum Grinzens“
vertreten durch:
  Mag. Edith Kastl-Reinalter
  Kirchgasse 12
  Dr. Hansjörg Thies
  Kirchgasse 44
 
Herrn
Bürgermeister Karl Gasser
und Mandatare der Heimatliste
Gemeindeamt Grinzens
Herrn
Helmut Leitner
Listenführer der ULG
und Mandatare der ULG
Grinzens

Grinzens, am 12.09.2005

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Gasser,
sehr geehrter Herr Leitner,

Wir teilen Ihnen hiermit mit, dass eine Reihe wahlberechtigter Grinzner GemeindebürgerInnen im August 2005 die Bürgerinititative „Lebensraum Grinzens“ gegründet hat, die sich dezidiert gegen das in Grinzens geplante Golfplatzprojekt ausspricht.

Bisher unterstützen mehr als 300 wahlberechtigte Grinzner GemeindebürgerInnen diese Bürgerinitiative mit ihrer Unterschrift (siehe Text im Anhang). Zusätzlich zu diesen UnterzeicherInnen haben uns eine große Zahl weiterer wahlberechtigter Grinzner BürgerInnen zugesagt, bei der angekündigten Volksbefragung gegen das Golfprojekt stimmen zu wollen.

Für die Bürgerinitiative ist es wichtig, schon jetzt aktiv zu werden und möglichst viele EinwohnerInnen über die möglichen Auswirkungen des geplanten Golfplatzprojekts aufzuklären. Wir werden nicht untätig zuwarten, bis der Gemeinde und damit allen Grinzner GemeindebürgerInnen erhebliche Kosten erwachsen.

Wir ersuchen die Gemeinderäte, bei der Gemeinderatssitzung am 19. September 2005 der Abhaltung einer Volksbefragung hinsichtlich des Golfplatzprojekts keinesfalls zuzustimmen, da wesentliche Punkte nach unserem derzeitigen Wissensstand noch ungeklärt sind:

  • Wie sieht der detaillierte Projektplan aus (Zugang / Zufahrt zum geplanten Golfplatz; Ausmaß des zusätzlichen Verkehrsaufkommens; Ausmaß des zusätzlichen Verkehrslärms; Lage des Parkplatzes; Lage des Klubhauses sowie dessen Öffnungszeiten; Mähzeiten und Mähfrequenz der Greens und der Anlage; Spezifikation der eingesetzten Mähgeräte; erwartete Lautstärke des Mählärms in dB mittels Lärmzonenplan; Art, Lage und Größe der geplanten Sicherheitszäune)?
  • Anzahl, Beschäftigungsausmaß und Arbeitsplatzbeschreibung der von den Projektbetreibern in Aussicht gestellten Arbeitsplätze? Welche Garantien geben die Projektbetreiber, dass diese Arbeitsplätze tatsächlich dauerhaft an Grinzner GemeindebürgerInnen vergeben werden ?
  • Wie sieht die Vereinbarkeit des geplanten Golfplatzes mit dem für Grinzens beschlossenen Raumordnungskonzept aus?
  • Ist das geplante Projekt mit der rechtsverbindlichen „Tiroler Golfplatzverordnung 2004“ des Amts der Tiroler Landesregierung (Abteilung Raumordnung) vereinbar?
  • Wie hoch sind die veranschlagten Einschreib- und Jahresgebühren für Erwachsene und Kinder beim geplanten Golfplatz ? Wird zwischen Einheimischen und Auswärtigen differenziert?
  • Wer sind dezidiert die Geldgeber für dieses Golfplatzprojekt und welcher Geldgeber steuert welche Teilbeiträge bei?
  • Kann der Gemeinderat ausschließen, dass der Gemeinde Grinzens und damit allen GemeindebürgerInnen Kosten für Infrastrukturmaßnahmen und Behördenverfahren entstehen (z.B. Strategische Umweltverträglichkeitsprüfung, Erschließungskosten, Erhaltungskosten für Straßen etc.)?
  • Welche Rechte und Pflichten kommen der Gemeinde Grinzens nach Auffassung des Bürgermeisters und beider Gemeinderatsfraktionen beim Betrieb des geplanten Golfplatzes zu?
  • Ist der Schutzstatus des Naturdenkmals Wirtssee mit dem geplanten Golfplatzprojekt überhaupt aufrecht zu erhalten ? Gibt es weiterhin eine Gewährleistung des bisher möglichen öffentlichen und gefahrfreien Zugangs zum Wirtssee?
  • Wie soll die Wasserversorgung für die Bewässerung der Greens und der gesamten Anlage gewährleistet werden? Nach Aussage der Projektinitiatoren in Golf News 2, August 2005: „100 m3 pro Tag“. Dies entspräche z.B. bei 150 bis 200 Betriebstagen im Jahr einem Jahreswasserverbrauch von 300 bis 400 Grinzner GemeindebürgerInnen! Welche Garantien gibt es, dass kein Trinkwasser aus der Grinzner Trinkwasserversorgung und Trinkwasserreserve für die Bewässerung der Greens verwendet wird?
  • Haben tatsächlich alle Grundeigentümer auf dem geplanten Golfplatzgelände der Pachtoption zugestimmt?
  • Werden von den Projektbetreibern ausreichend finanzielle Rücklagen und in welcher Höhe für einen eventuell notwendigen Rückbau des Golfplatzes gebildet?
  • Wie steht Bürgermeister Gasser zu seiner am 1. Juli 2005 vor der Gemeindeversammlung getätigten Aussage, dass der Feldweg nicht als Zufahrt zum Golfplatz in Frage komme?

Falls die Volksbefragung trotz der angeführten Unklarheiten zum jetzigen Zeitpunkt vom Gemeinderat Grinzens beschlossen werden sollte, handelt dieser nach unserer Ansicht unverantwortlich. Sollte die Volksbefragung vom Gemeinderat vor Abklärung o.g. Fragen und insbesondere vor einer ausführlichen Information der Grinzner Bevölkerung beschlossen werden, behält sich die Bürgerinititative „Lebensraum Grinzens“ angemessene Schritte vor.

Da dieses Projekt nicht nur einen massiven Eingriff in die Natur, sondern auch einen völlig inakzeptablen Eingriff in unser aller Wohn- und Lebensqualität sowie allgemein in das Dorfleben über die nächsten 30 Jahre darstellt, fordern wir, dass

  1. die oben angeführten Punkte restlos und detailliert geklärt werden und
  2. die Bevölkerung von Grinzens seitens der Gemeinde über diese konkreten Pläne wahrheitsgemäß aufgeklärt und umfassend sowie rechtzeitig vor einer Volksbefragung informiert wird.

Wir machen darauf aufmerksam, dass Bürgermeister Gasser umfassende Informationsveranstaltungen für alle Anrainer und für alle vom Projekt betroffenen Gemeindebürger vor Abhaltung der Volksbefragung öffentlich zugesagt hat. Diese Veranstaltungen haben bisher aber noch nicht stattgefunden.

Wir, die Bürgerinititative „Lebensraum Grinzens“, werden dieses Golfplatzprojekt mit einer breiten Unterstützung wahlberechtigter Grinzner GemeindebürgerInnen auf alle Fälle zu verhindern suchen!

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Edith Kastl-Reinalter Dr. Hansjörg Thies
(Sprecherin der Bürgerinitiative) (Stellvertretender Sprecher der Bürgerinitiative)
Anlage
Text der Bürgerinititative „Lebensraum Grinzens“
(bisher von über 300 wahlberechtigten Grinzner GemeindebürgerInnen unterschrieben)

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